Blatt

GS 15193

Kassel, Staatliche Museen, Graphische Sammlung - Zope-Id: 9068

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Vorschaubild
Originalscan
Ort Kassel
Institution Graphische Sammlung
Teilbestand
Signaturen GS 15193
Gegenstand Paris, Triumphbogen für den Faubourg Saint-Antoine nach Perrault, Aufriß
Künstler Wolff, Johann Henrich (Zeichner)
recto recto Zeichnung Zeichnung
Beschriftung Beschriftung
Skala Maßstab
verso verso
Stempel
Wasserzeichen -
Papierqualitaet Papier
Papierfarbe
Größe 403 x 340 mm
Zustand
Montierung
Datierung 1790 (um)
Bauwerk
Bauwerk-Links
Schriftquellen
Zeichnungen
Stiche
Fotos
CAD
Literatur
Kommentar Das aus dem Nachlaß Wolff stammende Blatt gehört zur Gruppe von Nachzeichnungen, die Johann Henrich Wolff zu Übungszwecken nach seinem Aufenthalt in Amerika anfertigte. Es zählt zu den wenigen Beispielen (s. a. GS 15055, GS 15085 u. Marb. Dep. 83), die Wolffs Auseinandersetzung mit den modernen französischen Architekturtheoretikern dokumentieren.\nDurch den rückseitigen Bezeichnungstext „Arc de Triomphe Du Thône Elevé / au faubourg St. antoine à Paris / en 1670 / sous le desseins de Claude Perrault" ist die Zeichnung leicht identifizierbar.\nIn der Zeit des Absolutismus wurde der aus der Antike stammende Bautyp des Triumphbogens der Herrscher-Apotheose dienlich gemacht. Eine besondere Bedeutung erlebte diese Dekorationsarchitektur unter der Herrschaft des französischen Königs Ludwig XIV. Auf Veranlassung seines Staatsministers Colbert, der die Straße von Vincennes nach Paris in eine große Sichtachse umgestalten wollte, entstanden Pläne für einen Triumphbogen im Faubourg Saint-Antoine. Entwürfe von Claude Perrault (1613-1688) bildeten die Grundlage für ein 1670 errichtetes Gipsmodell in Originalgröße. Der Bau selbst konnte nicht vollendet werden. Im Jahre 1680 kam er zum Stillstand und wurde 1716 abgetragen. Das Aussehen des Triumphbogens hat sich unter anderem durch einen Kupferstich in Blondels "Cours d'Architecture" überliefert. (Blondel 1771-1777, Bd. II, Taf. XXXIX). In antiker Grundform sollte nach dem Vorbild des Konstantinsbogens ein dreitoriger Bau mit großer Mittelöffnung und kleineren Seitendurchgängen entstehen. Den Fronten sind ebenso wie den Schmalseiten Säulenpaare auf reliefierten Sockeln vorgestellt, wobei das hier verkröpfte Gebälk freiplastische Werke aus Gefangenengruppen und Trophäen trägt. Die Wandflächen zwischen den Säulen zeigen gestaffelte Figurenmedaillons. Über der Attika erhebt sich ein Aufsatz, der von einem Reiterstandbild Ludwigs XIV. bekrönt wird. Löwen, Viktorien und Flußgötter bereichern die bauornamentale Ausstattung zusätzlich (Hautecœur 1943-1957, Bd. 2, S. 455-458; Westfehling 1977, S. 13f.). \nDen üppigen Baudekor ließ Wolff bei seiner Nachzeichnung des historischen Objekts weitgehend wegfallen, indem er die figuralen Reliefs auf rechteckige Bildfelder über den Seitendurchgängen reduzierte und die Sockel und die Attika frei ließ. Die Medaillons werden durch Hochfüllungen ersetzt. Die den Fries gestaltende Akanthusranke bleibt ausschnitthaft nur in den verkröpften Bereichen erhalten. In der Attikazone werden die Statuengruppen über den Säulenpaaren auf die Trophäen reduziert, und die querrechteckigen Bildreliefs nehmen Girlandengehänge auf. So schuf Wolff ein strengeres Gliederungsschema, das dem Zeitgeschmack am Ende des 18. Jahrhunderts eher entsprach. Das mit einem "W" verzierte Wappenmedaillon könnte als Hommage an den amtierenden hessischen Landgrafen Wilhelm IX. gedacht gewesen sein. Ein Wappenschild mit dieser Verzierung ist auch dem Giebel des Stadttores von Portsmouth einbeschrieben, das Johann Henrich Wolff ebenfalls in einer Aufrißdarstellung abbildete (GS 15080).
Autor MH