Vorschau |
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Ort |
Kassel |
Institution |
Graphische Sammlung |
Teilbestand |
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Signaturen |
L GS 10385 |
Gegenstand |
Kassel, Theater Napoleonshöhe, Entwurf der Längsseite, Aufriß |
Künstler |
Klenze, Leo von (Architekt) |
Stempel |
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Wasserzeichen |
Krone über Wappenschild mit Lilie, unten anhängend Anker und "WR" in Ligatur |
Papierqualitaet |
Papier |
Papierfarbe |
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Größe |
481 x 338 mm
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Zustand |
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Montierung |
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Datierung |
1808 |
Kommentar |
Innerhalb der Entwicklungsreihe der zum Theater Napoleonshöhe von Klenze erarbeiteten Entwurfszeichnungen muß dieses bisher unpublizierte Blatt an den Anfang gestellt werden, da sich hier Konstruktionsprinzipien finden, die Klenze nicht weiter verfolgt hat. In seinen Memorabilien erwähnt er "mehrere andere Projekte, teils von mir selbst, teils von anderen vorgeschlagen", die seinem Ausführungsentwurf vorangingen.\nDer hier vorliegende unvollendete Entwurf zielt auf eine stärkere Akzentuierung des Fassadenmittelteils ab. Statt des Viersäulenportikus dominiert ein Sechssäulenportikus die zum Park gerichtete Hauptfassade. Zwei nur in Graphit angedeutete Dachgestaltungsvarianten sollten ebenfalls die Mittelachse betonen. Neben einer portikusbreiten Flachkuppel erscheint als überdimensionale Variante eine Tambourbekrönung mit Flachkuppel. Ein Akanthusrankenfries mit dem mittigen Schriftzug "SALVE" und als Verlängerung der Säulen positionierte Attikastatuen heben den Bereich auch bauornamental hervor. Die seitlichen Attikaabschnitte hatte Klenze zudem nachträglich durchgestrichen. \nIm Vergleich mit dem ausgeführten Entwurf (GS 12508) zeigen sich die seitlichen Fassadenabschnitte durch das Breitenmaß des Sechssäulenportikus bei gleicher Breite des gesamten Baukörpers verkürzt und die beiden Fensterachsen dadurch enger zusammengezogen. Das eingeschossige Konstruktionsprinzip, das dem Gebäude einen pavillonartigen Charakter verleihen sollte, ist an diesem Entwurf noch ablesbar. Die Fenster sind weiter nach unten geführt und setzen direkt auf der Sockelzone auf. In der Ausführung mußte Klenze die Fenster nach oben rücken, um einerseits an der eingeschossigen Fassadengliederung festhalten zu können, andererseits aber die notwendige Zweigeschossigkeit im Innern zu erreichen. Nur auf diese Art konnte das Erdgeschoß unter dem Königsfoyer noch hinter der Sockelzone verborgen werden. \nAbweichend von der späteren Umsetzung weist der vorliegende Entwurf auch eine reichere Bauornamentik auf, die bereits durch die Wahl der korinthischen Säulenordnung eingeleitet wird. Die von Ornamentbändern eingerahmten Fenster werden durch Balustraden und lünettenförmige, vorgeblendete Mauerfelder verziert. \nDie Mauerzonen zwischen den Säulen füllen aufgesockelte Statuen, die Personifikationen der vier Jahreszeiten darstellen. Offensichtlich sollte so eine Verbindung zur umgebenden Parklandschaft hergestellt werden. In der Kupferstich-Darstellung der Theaterlängsseite (GS 5614a) für die geplante Publikation "Das Hoftheater von Wilhelmshöhe bey Kassel" hatte Klenze dagegen auf die Funktion des Gebäudes Bezug genommen und beidseitig des Portikus Apoll und Bacchus sowie zwischen den Fenstern an den Fassadenseiten die Musen Thalia und Melpomene plaziert. Bei der späteren Bauausführung wurde auf die Statuen an den Fassadenseiten völlig verzichtet und die Statuenstellungen des Portikus wurden durch Fenster ersetzt. |
Autor |
MH |